Waffenbesitzkarte (WBK)

 

Die Waffenbesitzkarte (Abkürzung: WBK) ist ein waffenrechtliches Dokument, welches von einer Behörde ausgestellt wird und unter anderem zum Besitz, Transport und Einfuhr von genehmigungspflichtigen Waffen und den Erwerb bestimmter Munitionstypen berechtigt.

Inhaber einer WBK sind typischerweise Sportschützen, Jäger oder (Schusswaffen-)Sammler. Aber auch jeder andere unbescholtene EWR-Bürger, der nicht zu den vorgenannten Gruppen gehört, kann unter gewissen Voraussetzungen eine WBK für zwei genehmigungspflichtige (Schuss-)Waffen beantragen. Die zuständigen Genehmigungsbehörden sind die Bezirkshauptmannschaften oder Landespolizeidirektionen.

Die Waffenbesitzkarte darf nicht mit dem Waffenpass verwechselt werden.

 

Voraussetzungen für eine WBK

Grundsätzlich kann jeder, der die folgenden Punkte erfüllt, in Österreich eine WBK für 2 genehmigungspflichtige (Schuss-)Waffen bei seiner zuständigen Behörde beantragen:

  • verlässlich
  • man muss unbescholten sein - siehe dazu § 8 Abs. 3 - Abs. 5 WaffG
  • Nachweis über die Befähigung zum sachgemäßen Umgang (z. B. durch „Waffenführerschein“)
  • EWR-Bürger (§ 9 EWR-Bürger im Waffengesetz 1996)
  • 21. Lebensjahr vollendet
  • Rechtfertigung
  • Positives psychologisches Gutachten (bestehend aus: MMPI-K und S-V-Test) ist bei Antragstellung vorzuweisen.

Verlässlichkeit

Die Verlässlichkeit (§ 8 Verlässlichkeit im Waffengesetz 1996) wird unter anderem durch einen von der Behörde ermächtigten Psychologen festgestellt. In dem von ihm erstellten Gutachten (Kosten 2015 € 236,- exkl. USt) über den Antragsteller wird bei positivem Ausgang bestätigt, dass der Antragsteller unter psychischem Druck nicht dazu neigt, mit (Schuss-)Waffen unachtsam umzugehen. Weiters werden zur Beurteilung der Verlässlichkeit mögliche Verurteilungen und Straftaten in der Vergangenheit, sowie der aktuelle Lebenswandel und die aktuellen Verhältnisse herangezogen. So kann beispielsweise jemand, der einmal einen Diebstahl begangen hat, verlässlich sein, jedoch ein Mehrfachtäter, der erneut Diebstähle begeht, von der Verlässlichkeit aufgrund der allgemeinen Deklarierung des § 8 Abs. 1 WaffG ausgeschlossen werden, da die Behörde davon ausgehen kann, dass er kein genügendes Rechtsempfinden hat um verlässlich zu sein.

Unbescholtenheit

Man muss unbescholten sein, um eine Waffenbesitzkarte oder einen Waffenpass ausgestellt zu bekommen. § 8 Abs. 3 Z1 bis Z4 und Abs. 5 des WaffG führen Straftatbestände auf, die einen Menschen von vornherein als unverlässlich deklarieren. Zum Beispiel schließt eine Verurteilung wegen eines Betruges oder eines Einbruchs den Betroffenen nicht vornherein vom Erwerb einer Schusswaffe aus. Die Verurteilung kann aber unter den Gesichtspunkten des § 8 Abs. 1 WaffG herangezogen werden, um die allgemeine Verlässlichkeit aufgrund Wesens- und Charakterzüge zu überprüfen. Dies liegt allerdings im Ermessen der Behörde und hängt vom Einzelfall ab. Die Verlässlichkeit (ebenfalls § 8 Verlässlichkeit im Waffengesetz 1996) des Antragstellers wird durch die Bundespolizei (früher Gendarmerie) geprüft und im Normalfall direkt von der WBK-Ausstellerbehörde angefordert und an diese übermittelt.

Rechtfertigung und Bedarf

Bei der Rechtfertigung (§ 22 Rechtfertigung und Bedarf im Waffengesetz 1996) handelt es sich um einen im Antragsformular anzugebenden Verwendungszweck der Waffe, der auch plausibel erscheint und rechtlich erlaubt ist. Hierzu gehören z. B.

 

Ermessen der Behörde

Wird die WBK zur häuslichen Selbstverteidigung beantragt, hat die Behörde eine WBK auszustellen, bei allen anderen Rechtfertigungen liegt es aber immer noch im Ermessen der Behörde (§ 10 Ermessen im Waffengesetz 1996), ob eine WBK ausgestellt wird.

Das Dokument "WBK" Ausstellung

Die Ausstellung einer WBK erfolgt, nachdem alle Voraussetzungen gegeben sind, von der zuständigen Genehmigungsbehörde (Bezirkshauptmannschaft oder Landespolizeidirektion) und dauert in der Regel zwischen 4 und 6 Wochen.

Erweiterung

Die WBK ist bei der Erstausstellung auf 2 genehmigungspflichtige Waffen beschränkt. Zur Ausübung des Sports bzw. Sammel-Hobbys werden aber zumeist mehr als nur 2 Waffen benötigt. Daher gibt es die Möglichkeit, einen 'Antrag auf Erweiterung' an die zuständige Genehmigungsbehörde zu stellen. Im Gegensatz zum Erstantrag muss nur noch der Punkt 'Rechtfertigung und Bedarf' angeführt werden, dieser wird dann aber meist intensiver kontrolliert.

Eine Erweiterung muss ausgestellt werden, wenn der Legalwaffenbesitzer einen Grund für den Besitz der Waffe glaubhaft macht. Die gängige Verwaltungspraxis zeigt, dass Erweiterungen oft nur genehmigt werden, wenn man

  • Vereinsmitglied in einem traditionellen Schützenverein oder eingetragenen Sport-Schützenverein bzw.
  • leidenschaftlicher Sammler mit einem gewissen Mindestmaß an Interesse für die Technik oder Geschichte von Waffen ist, oder
  • durch eine Erbschaft in den Besitz von genehmigungspflichtigen Waffen gelangt.

Einträge

Folgende personenbezogenen, Behörden- und allgemeinen Daten sind auf der WBK eingetragen:

Weiters werden auf der Rückseite die waffenbezogenen Daten eingetragen:

  • Anzahl der genehmigungspflichtigen Schusswaffen, die der Inhaber der WBK erwerben, besitzen und einführen darf, sowie dass er Munition für Faustfeuerwaffen erwerben und besitzen darf.

bzw.

  • Anzahl der unter § 17 Abs. 1 Z... des Waffengesetzes genannten Waffen, die der Inhaber der WBK erwerben, besitzen und einführen darf

(§ 17 Verbotene Waffen im Waffengesetz 1996 - siehe Weblinks → Erlass zum WaffG 1996 vom 1. Jänner 2005)

Es wird jedoch nicht wie in Deutschland jede einzelne Waffe mit ihrer Seriennummer in die WBK vermerkt, sondern nur bei der zuständigen Genehmigungsbehörde in eine Datenbank eingetragen. (siehe Pflichten → Meldungen)

Entzug der WBK Waffenverbot

Die Behörde kann den Besitz von Waffen und Munition verbieten (§ 12 Waffenverbot im Waffengesetz 1996), wenn bestimmte Tatsachen darauf hinweisen, dass gegen das Waffengesetz verstoßen wurde.

Vorläufiges Waffenverbot

Bei akut drohendem Verstoß gegen das Waffengesetz können die Organe der öffentlichen Aufsicht, sprich Polizei, ein vorläufiges Waffenverbot (§ 13 Vorläufiges Waffenverbot im Waffengesetz 1996) gegenüber einer Person aussprechen.

Rechte, Pflichten und Vorschriften des Besitzers Rechte

Durch die WBK hat der Besitzer folgende Rechte:

  • Einfuhr, Erwerb und Besitz von genehmigungspflichtigen Waffen im Sinne des Waffengesetzes 1996
  • Einfuhr, Erwerb und Besitz von ganz bestimmten verbotenen Waffen im Sinne des Waffengesetzes 1996

Definitionen

  • Einfuhr: Der Kauf einer genehmigungspflichtigen Waffe im Sinne des Waffengesetzes 1996 bei einem ausländischen (nicht österreichischen) Waffenhändler. Siehe auch Waffengesetz (Österreich)
  • Erwerb: Der Kauf einer genehmigungspflichtigen Waffe im Sinne des Waffengesetzes 1996 bei einem österreichischen Waffenhändler. Siehe auch Waffengesetz (Österreich)
    1. Besitz: Die Innehabung (nicht das Führen) einer genehmigungspflichtigen Waffe im Sinne des Waffengesetzes 1996, sowie Erwerb und Besitz von Munition für Faustfeuerwaffen. Siehe auch Waffengesetz (Österreich)

    Pflichten

    Durch die WBK hat der Besitzer folgende Pflichten:

    • Nachweis des sachgemäßen Umgangs mit Waffen durch z. B. einen Waffenführerschein, eine gültige Jagdkarte oder Ergebnislisten von Bewerben, welche jedoch nicht älter als 6 Monate sein dürfen; Dienstausweis des österreichischen Bundesheeres
    • Meldepflicht bei Erwerb einer genehmigungspflichtigen Waffe im Sinne des Waffengesetzes 1996
    • Meldepflicht bei 20 oder mehr Schusswaffen in einem räumlichen Naheverhältnis zueinander (weitere Meldung bei einer Verdoppelung der Menge)
    • Meldepflicht bei der Verwahrung von Munition in großem Umfang (ab 5.000 Stück in einem räumlichen Naheverhältnis)
  • Vorschriften

    Durch die WBK hat der Besitzer folgende Vorschriften zu beachten:

    • Spätestens alle 5 Jahre hat die zuständige Genehmigungsbehörde eine Überprüfung der Verlässlichkeit durchzuführen. Siehe auch Waffengesetz (Österreich)

    Quelle: Wikipedia

    Waffen - Pistole - Faustfeuerwaffe - Gewehr - Waffenkunde - Waffenbesitzkarte - Waffenpass - Jagd - Waffengesetz - Schießsport - Langwaffen - WBK - WP