Munition

 

Eine Patrone (von französisch Patron für Form, Muster, Modell) fasst die zum Abfeuern eines Geschosses (Projektil oder Granate) aus einer Feuerwaffe notwendigen Komponenten in einer Einheit zusammen.

Patronen zählen zur Munition und werden heute für Kaliber von .170 (4,3 mm) bis zu 120 mm bei Kampfpanzern (z. B. Leopard 2) verwendet. Besondere Bauformen, beispielsweise Schrotpatronen, enthalten mehrere Geschosse (Schrote), deren Größe und Zahl je nach Verwendungszweck variiert. Spezielle Patronen können anstelle des Geschosses oder zusätzlich zum Geschoss auch Treib-, Leucht- oder Knallsätze oder Reizstoffladungen enthalten.

Aufbau 

In der am weitesten verbreiteten Bauform der Patrone enthält die Patronenhülse die Treibladung, das Projektil (Geschoss) und die Anzündladung (siehe Abbildung):

  1. Projektil (Geschoss), in der Jägersprache immer noch als Kugel bezeichnet
  2. Patronenhülse, die alle Teile zusammenhält
  3. Treibmittel, zum Beispiel Schießpulver oder Kordit
  4. Auszieherrille, die hinten an der Patronenhülse (z. B. bei Pistolenmunition und Munition automatischer Waffen) zum Ausziehen der abgeschossenen Hülse oder beim Entladen zum Ausziehen der Patrone benötigt wird, bei anderen Waffen wird ggf. ein Rand am unteren Ende der Hülse verwendet
  5. Anzündhütchen, zur Zündung des Treibmittels

Patronenhülse

Moderne Patronenhülsen bestehen zumeist aus Messing. Patronenhülsen für das Militär werden oft auch aus Stahl gefertigt und korrosionsschutzbehandelt. Sie sind leichter als Patronenhülsen aus Messing und billiger herzustellen. Auch Aluminium wird verwendet. Die Hülsen werden durch Fließpressen in mehreren Arbeitsgängen aus einem Metallstück geformt. Der Hülsenboden ist in der Regel härter als der Hülsenhals; dieses wird durch Härten bzw. Weichglühen erreicht.

Patronenhülsen aus Messing werden nach Verwendung auf Schießständen zu einem hohen Grad wiederverwertet, entweder durch Wiederladen oder als Material zur industriellen Neufertigung. Die Messinghülsen sind als Wertstoff besonders beliebt, da es bei der Verwendung und bei der Sammlung kaum zu nennenswerten metallurgischen Verunreinigungen kommt.

Besondere Formen der Patronenhülse sind unter anderem:

  • Patronenhülse aus Pappe (in frühen Zeiten verwendet)
  • Flobertpatrone und ihre Nachfolger mit Kupferhülse in diversen Kalibern wie die z. B. die .44 Henry-Patrone
  • Schrotpatronenhülse, die zum Teil aus behandelter Pappe, behandeltem Papier, oder aus Kunststoff in Verbindung mit einem metallischen Becher (meist Messing) besteht, der das Anzündhütchen und die Treibladung aufnimmt
  • Kunststoffpatronenhülse, die hauptsächlich bei Knall-, Übungs- und Manöverpatronen verwendet wird, der Hülsenboden besteht meistens aus Metall
  • Patronenhülse aus Nitrozellulose, auch sich selbst aufbrauchende Patronenhülse, die bei der Schussabgabe fast rückstandslos verbrennt.

Patronenboden

Patronenböden können eingeprägte Bodenstempel aufweisen, die Informationen über die Ausführung der Patrone, ihre Produktionsstätte und ihr Herstellungsdatum enthalten.

Bei hülsenlosen Geschossen großen Kalibers wird der Patronenboden massiv ausgeführt, beispielsweise bei der Kanone des Kampfpanzers Leopard 2. Der feste Patronenboden verbessert die Ladefähigkeit und die Sicherheit der Munition, er wird wie eine Patronenhülse ausgeworfen.

Projektil (Geschoss)

Die Standardprojektile haben ein gerade „geschnittenes“ Ende und dadurch eine aerodynamisch ungünstige Form. Das Ende der sogenannten „Boat Tail“-Geschossform (engl., in etwa „Bootsheck“, da der Längsschnitt eines solchen Geschosses dem Umriss eines Bootsrumpfes ähnelt) verläuft demgegenüber konisch in der Form eines Kegelstumpfes, ist so aerodynamischer und fliegt daher weiter und stabiler.

Projektilaufbau und -spitze werden den gewünschten zielballistischen Anforderungen angepasst. So wurden im Laufe der Jahre sehr unterschiedliche Konfigurationen aus Voll- und Teilmantelgeschossen verschiedener Materialien mit den unterschiedlichsten Geschossspitzen, ggf. auch mit galvanischen und chemischen Beschichtungen und Einsätzen entwickelt. Weiterhin werden aber auch Blei und Bleilegierungen sowie galvanisch beschichtete Bleigeschosse verwendet.

Aus Umweltschutzgründen werden beim Großkaliber-Sportschießen mit Pistole oder Revolver manchmal bleifreie bzw. bleilegierungsfreie Geschosse verwendet. Der deutlich höhere Preis dieser Munition und die geringe Verfügbarkeit an unterschiedlichen Kalibern schränkt deren Verwendung jedoch stark ein. Beim Skeet- und Trap-Schießen mit der Flinte findet wegen des Umweltschutzes hauptsächlich Stahlschrot anstatt des sonst üblichen Bleischrots Verwendung.

Treibmittel

In der frühen Geschichte der Feuerwaffen bestand das Treibmittel aus Schwarzpulver (auch Schießpulver). Ältere Patronentypen wurden noch für die Verwendung mit Schwarzpulver entwickelt, zuerst natürlich die alten Papierpatronensorten, aber später auch Kurz- und Langwaffenpatronen mit Hülsen aus Messing. Erkennbar sind diese Schwarzpulverpatronen bisweilen an Bezeichnungen wie z. B. .44-40 (auch .44 WCF) oder .45-70. Auch moderne, mit rauchlosem Pulver geladene Patronen tragen teilweise noch diese Bezeichnung. Sie sind für Schwarzpulverwaffen jedoch ungeeignet.

In modernen Patronen werden vorwiegend rauchschwache Pulver auf Basis von Cellulosenitrat verwendet, zum Teil als mehrbasige Pulver mit unterschiedlichen Beimengungen. Je nach Verwendungszweck werden Pulver mit unterschiedlicher Abbrandgeschwindigkeit eingesetzt. Die Abbrandgeschwindigkeit kann außer über chemische Zusätze auch durch die Gestaltung der „Pulverkörper“ (z. B. Plättchen-, Röhren-, Kugelform, etc.) beeinflusst werden. Für Waffen mit kurzem Lauf wird eher schnell abbrennendes Pulver bevorzugt, da nur ein relativ kurzer Weg für das Beschleunigen des Projektils zur Verfügung steht. Für Waffen mit langen Läufen werden langsamer abbrennende Pulver verwendet. Der Energiegehalt einer Pulversorte ist von ihrem Abbrennverhalten weitgehend unabhängig.

Anzündhütchen

Bei modernen Patronen wird fast ausschließlich die Zentralfeuerzündung benutzt. Für im Jagd- und sportlichen Bereich überwiegend genutzte Patronen ist die als Boxerzündung bekannte Zündart verbreitet. Hierbei sitzt über einem mittig im Hülsenboden gebohrten Zündkanal ein Anzündhütchen. Militärisch genutzte Patronen haben meist die sogenannte Berdanzündung mit zwei oder drei Zündkanälen. Hierbei ist mittig im Hülsenboden ein Amboss genannter Dorn eingelassen, um diesen herum sind die Zündkanäle symmetrisch angeordnet. Auch hier sitzt das Zündhütchen mittig im Hülsenboden. Wenige Millisekunden nach der Schussauslösung trifft der Schlagbolzen mittig auf das Zündhütchen. Dabei wird die Anzündladung abgebrannt und die entstehende Energie durch den oder die Zündkanäle im Hülsenboden auf die Treibladung gerichtet. Eine wichtige Aufgabe des Anzündhütchens ist es zudem, die Patrone am Boden gasdicht abzuschließen.

Bei Kleinkalibermunition wird auch heute noch meist die Randfeuerzündung verwendet. Hierbei bildet die Hülse am Boden einen Rand, in dem sich der Anzündsatz befindet. Der Schlagbolzen trifft auf den Rand der Hülse und entzündet so den Anzündsatz. Wichtigster Vorteil ist der kostensparende Verzicht auf ein Anzündhütchen, jedoch kann die Patrone nicht erneut geladen werden, da die Verformung des Randes nicht rückgängig gemacht werden kann.

Moderne Panzermunition wird zum Teil auch elektrisch gezündet bzw. erst am Rohrende mittels Induktionsspulen die Wirkladung (Hohl- bzw. Sprengladung) „geschärft“.

Beim Flobert-Gewehr ist der Zündsatz gleichzeitig der Treibsatz. Zusätzlich gibt es noch die heute veraltete Perkussionszündung und die Lefaucheux-Zündung.

Zusammenspiel der Komponenten

M4-Karabiner beim Schuss

Je nach Verwendung (Polizei, Militär, Jagd, Sport) werden die Komponenten einer Patrone desselben Kalibers unterschiedlich zusammengestellt. So unterscheiden sich die Laborierung, die Patronenhülse und der Geschosstyp, aber auch die Qualität der Komponenten und/oder die Qualität der gesamten Patrone voneinander.

Für das sportliche Scheibenschießen ist die Scheibenpatrone konzipiert. Sie verfügt in der Regel über eine schwächere Ladung, die so weit reduziert sein kann, dass die für diesen Zweck nötige ballistische Leistung eben noch erreicht wird. Bei halbautomatischen Waffen ist der Reduzierung durch die für den Ladevorgang nötige Energie die Grenze gesetzt. Die Verringerung der Ladung vermindert Laufschwingungen, das Hochschlagen der Waffe und andere Einflüsse des Rückstoßes, was die Präzision verbessert. Andererseits wird dadurch die Rasanz der Flugbahn des Geschosses vermindert, dieses ist länger wechselnden Windeinflüssen ausgesetzt, was sich negativ auf die Präzision auswirkt. Das bei Scheibenpatronen oft verwendete Wadcutter-Geschoss schneidet klar umrissene Löcher in das Kartonmaterial der Schießscheibe.

Sportschützen vertrauen in den Großkaliberdisziplinen gerne auf selbstgefertigte und wiedergeladene Patronen. Bei Gewehrdisziplinen ab 300 m werden Patronen von den Schützen oftmals unmittelbar vor dem Wettbewerb, auf dem Schießstand, geladen, um sie so besser den Umweltbedingungen auf dem Schießplatz anzupassen und sie für jede Serie exakt zu konfigurieren.

Quelle: wikipedia

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